Sport gegen Kater?

- oder - Wer feiern kann, kann auch trainieren!


Sport gegen Kater soll ja helfen.

Aber der Schädel drückt und hämmert. In der Magengegend ist alles sehr flau. Jede noch so kleine Aufgabe scheint nicht nur wegen der vorherrschenden Übelkeit im Moment überhaupt nicht machbar.

Wie soll denn heute das Training überstanden werden?

Wenn nicht gerade Wochenende ist, stößt man bei seiner Umwelt auch noch auf Unverständnis. Zu hören gibt es dann unnötigerweise einen "weisen" Spruch, der vorwiegend vom Vorgesetzten oder auch von missgünstigen Kollegen kommt

"Wer feiern kann kann auch arbeiten"

Es natürlich eine nicht gerne gehörte Ausrede, wenn man sich nach einer feucht-fröhlichen Nacht nicht zur Arbeit meldet. Und den lieben Kollegen seine Pflichten überlässt. Aber Hand aufs Herz, Arbeiten geht in diesem Zustand auch nicht wirklich.

Dazu gibt es anlässlich des Finalspiels der Fussball-WM 2014 auch ein passendes Video:

Aber kann auch noch trainieren wenn man gefeiert hat und hilft der Sport gegen Kater?

Ist Sport gegen Kater ein geeignetes Mittel?

Hat Sport eine positive Auswirkung im Kämpf gegen einen Kater. Oder schadet es und bringt Nebenwirkungen zu Vorschein?

Was durch den Alkoholkonsum im Körper passiert, wird auf der Seite Was tun gegen Kater genau erklärt. Einen kurzen Überblick von all diesen Informationen fasse ich hier Stichpunktartig zusammen

Wie wirkt sich Alkohol aus?

  • Ethanol ist ein schädliches Gift. Der Körper arbeitet mit höchster Priorität daran das Gift aus dem Organismus zu schaffen.
  • Alkoholabbau verursacht Stress.  Bereits im Mund beginnt der Alkoholabbau und setzt in der gesamten Zeit den Körper unter Stress. Das braucht viel Energie. Und wenn die Energie fehlt, dann werden die Reserven angezapft.
  • Ethanol dehydriert. Durch Ethanol wird mehr Wasser ausgeschieden als aufgenommen wurde. Es entwässert den Körper und spühlt dabei Minerlien und Salze aus. Das  verursacht einen Elektrolytmangel.

Dadurch fühlt sich der nächsten Morgen an, als wäre man durch die Mangel gedreht worden. Wie bei einem guten Girl WOD - allerdings im negativen Sinne. Der Energiespeicher ist leer. Allgemeines Unwohlsein und Konzentrationslosigkeit hat einen fest im Griff.

Überwinden oder nicht?

Kurz, Ja.

Der Zustand ist zwar persönlichen Empfinden her keine gute Voraussetzung für ein forderndes Training. Man sollte sich aber dennoch in den Hintern treten und es durchziehen.

Der Sport gegen Kater hilft dabei einen psychisch Durchhänger zu überwinden. Durch sportliche Aktivitäten werden nämlich Endorphine ausgeschüttet. Das hebt wieder die gute Stimmung und vertreibt gleichzeitig die Katerstimmung.

Sport gegen Kater bringt auch den Kreislauf in Fahrt. Und das hilft dem Wohlbefinden!

Durch einen angekurbelten Kreislauf werden die Nebenprodukte (Methanol) vom Alkoholabbau schneller abgebaut. Leider wird dadurch aber nicht der Abbau von Ethanol beeinschleinigt. Die Leber braucht einen bestimmten Zeitraum (ca. 0,1 Promille pro Stunde) um den Alkohol abzubauen. Unabhängig davon ob trainiert wird oder nicht.

Wie soll das Training gestaltet werden?

Muss die Kloschlüssel ständig aufgesucht werden. Der Schwindel ist so stark das der Gleichgewichtssinn verrückt spielt. Oder die Kopfschmerzen dafür sorgen das man nur noch in dunklen Räumen sich traut die Augen zu öffnen.

Wenn das alles zutrifft und wirklich gar nichts geht, dann hilft Sport gegen Kater auch nicht und es natürlich besser das Training sein zu lassen. Alles andere aber ist eine Ausrede und kann schnell wieder "korrigiert" werden.

Nach der Überwindung sollte das Training aber dennoch mit Bedacht angegangen werden. Und realistisch eingeschätzt werden.

Heute keine Heldtat

Dennoch ist heute nicht der geeignete Tag für ein brutales Hero WOD. Heute werden keine Bäume ausgerissen. Und heute wird kein PR (Personal Record) beim Gewichtheben ins Notizbuch geschrieben.

Alkohol ist ein Gift. Der Körper hat seinen Fokus darauf gelegt es wieder loszuwerden kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen. Deshalb bietet sich heute nur ein reines Kardio WOD (M) an. Oder je nach Wohlbefinden auch ein Kardio und Gymnastik WOD (MG) an. Beide WODs verfolgen aber moderate Ziele und sollten nicht mit einer Bestleistung absolviert werden.

Gewichte bleiben heute im Ständer. Durch fehlende die angeschlagene Konzentration- und Koordinationsfähigkeit ist das wegen Verletzungsrisiko einfach zu groß. Dadurch kann es dann zu einer ungewollten Zwangspause kommen.

Voraussetzungen für den Start schaffen

Sport bringt einen ins Schwitzen. Und durch Schweiß gehen wiederum Mineralien und Wasser verloren. Das ist eine denkbar ungünstige Kombination zusammen mit einem Kater.

Wichtig ist jetzt erstmal den Wasser- und Elektrolythaushalt wieder auszugleichen.

Dazu hilft viel Flüssigkeit zu trinken. Mineralwasser ist hier das Getränk der Wahl. Es gehen aber isotonische Fruchtschorlen. Die zusätzlichen Kohlenhydrate sind nicht verkehrt und treiben den Blutzuckerspiegel wieder nach oben. Aber das Ziel ist erstmal die verlorene Flüssigkeit und Mineralien wieder zu sich zu nehmen.

Die Dehydration verursacht allgemeine Einbußen bei der Leistungsfähigkeit. Die Konzentration und Koordination ist dadurch am meisten beeinträchtigt. Das gilt es durch einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt wieder zu richten.

Blutzuckerspiegel ausgleichen

Vor allem der Blutzuckerspiegel dürfte nach einer durchzechten Nacht sehr niedrig sein. Dafür sorgt der Alkohol und das ausgeschüttete Insulin. Um der Unterzuckerung entgegen zu wirken ist es sinnvoll etwas zu essen.

Ein leichtes Frühstück oder Snack vor dem Training ist dabei eine gute Idee. Ein paar gesunden Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel wieder ansteigen und es wird sich normalisieren.

Außerdem werden durch den Alkoholabbau die Reserven angezapft und die müssen wieder aufgefüllt werden. Das allgemeine Wohlbefinden wird sich dadurch verbessern.

3, 2, 1 - Los

Wenn die oben aufgeführten Punkte beachtet werden, dann spricht nichts gegen ein Training nach einer Feier. Es wird sogar das Wohlbefinden stärken (ist es nicht immer so nach dem Training?) und den Kater schnell vergessen lassen.

Aber bitte daran denken, das an diesem Tage keine Höchstleistung vollbracht werden soll. Das kann und wird nur schief gehen. Es ist in diesem Zustand auch wichtig auf  seinen Körper zu hören. Und lieber rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, als für längere Zeit auszufallen.

Train smart!